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Heiraten in Hessen

Hessischer Brauch
Bevor hessische Brautpaare in die Ehe entlassen wurden, galt es einige Schwierigkeiten zu überwinden. Besonders der Bräutigam war vehement dazu angehalten den "Stolperfallen" auszuweichen. Die Rituale sind sehr lustig – besonders für die Gäste der Hochzeit.
Symbolbild Hochzeit
Bildquelle: momosu/ PIXELIO/ www.pixelio.de
Vor der Hochzeit hielt die Braut sich im Elternhaus versteckt. Der Bräutigam hatte die Aufgabe, seine Braut zu suchen und die Liebe zu ihr unter Beweis zu stellen. Zur Prüfung führte der Schwiegervater in spe dem Bräutigam zunächst zwei falsche Bräute vor, die es hartnäckig abzulehnen galt. Wenn dann die richtige Braut vor ihm stand, mußte er seine Freude zum Ausdruck bringen. Jedoch flüchtete die Angebetete sogleich wieder in ihr Zimmer und war unter keinen Umständen herauszulocken. Jegliches Beklagen bei der Brautmutter, die vorgab nicht zu verstehen worum es geht, war zwecklos. Erst durch eine Silbermünze – ein symbolischer Schlüssel zur Kammer der Braut - konnte sie überzeugt werden, mit der Tochter zu reden und sie herauszulocken. Sobald die Braut sich zeigte, spielte die Kapelle einen Tusch und dem jungen Glück und der Trauung stand nichts mehr im Wege.

Symbolbild Hochzeit
Bildquelle: Daniela B/ PIXELIO/ www.pixelio.de
Wie es in manchen Gegenden auch heute noch üblich ist, wurde dem frisch gebackenen Ehepaar der Weg zu ihrem neuen Heim noch einmal gründlich erschwert: In einigen Regionen wurde ein Handkarren mit dem Besitz der Braut beladen, mit dem das Brautpaar durch Freunde, Familie und Dorfgemeinschaft errichtete Sperren überwinden mußte. Neugierige "Zöllner" konnten nur durch kleine Gaben befriedigt werden – Kinder gaben sich erst mit Süßigkeiten zufrieden, bei den Erwachsenen konnte man sich mit einem Fass Bier oder kleineren Geldbeträgen den Weg frei kaufen.

Deutsche Hochzeitsbräuche


Brautjungfern: Dieser uralte Brauch wurzelt in heidnischen Zeiten, als böse Geister bei Hochzeiten vermutet wurden. Die Brautjungfern begleiten die Braut in die Kirche. Die Brautjungfern sollten deswegen ähnliche Brautkleider tragen, um so die Geister zu verwirren.
Heute haben die Brautjungfern eine ganz andere Funktion. Sie sollen nicht verheiratet sein, die Braut sehr gut kennen, oder eventuell sogar mit ihr oder dem Bräutigam verwandt sein. Nach der Trauzeugin ist sie die größte Hilfe bei den Vorbereitungen, besonders am Hochzeitstag selbst.



Brautschleier: Die Geschichte der Brautschleier ist wesentlich älter als die des Brautkleides. Schon im alten Rom trug die Braut einen Schleier. Das Christentum beabsichtigte damit, die Frau vor den Blicken anderer Männer, böser Geister und des Teufels zu schützten. Er symbolisiert die Jungfräulichkeit und die Keuschheit der Braut und wird um Mitternacht abgenommen, weil ab dem Moment die Braut schon als Ehefrau betrachtet wird. Anschließend kommt der Schleiertanz.



Schleiertanz: Dieser Tanz findet am Hochzeitstag um Mitternacht statt. Beim Tanz wird der Braut der Schleier geraubt und in viele Stücke gerissen. Diese werden an die Brautjungfern und Freundinnen verteilt. Somit bekommen sie symbolisch etwas von dem reichen Segen, den das Brautpaar an diesem Tag erhalten hat.  Eine andere Deutung dieses Brauches besagt, dass diejenige, die das größte Stück des Schleiers bekommt, die nächste Braut sein wird.



Altes, Neues, Geliehenes, Blaues: Dies sind die vier Dinge, die eine Braut am Hochzeitstag bei sich haben sollte.
Das Alte, ist meistens ein altes Familienschmuckstück und steht für den Lebensabschnitt als ledige Frau.
Das Neue, z. B. der Ehering, symbolisiert alles, was noch vor ihr als verheiratete Frau liegt.
Das Geliehene dient als Zeichen der Freundschaft.
Und etwas Blaues steht für Treue.



Polterabend: Am Polterabend wird Porzellan oder Steingut zerschlagen, um die bösen Geister zu vertreiben. Kein Glas, weil dieses Unglück bringen sollte. Danach kehrt das Brautpaar die Scherben gemeinsam zusammen.
Früher wurde am Abend vor der Hochzeit gepoltert, getrunken, und die Gesellschaft traf letzte Vorbereitungen für die Heirat. Heutzutage ist der Polterabend meist ein eigenes Fest, zu dem mindestens eine Woche vor der Hochzeit geladen wird.



Brautentführung: Während der Hochzeitsfeier wird die Braut von Freunden „entführt“ und von Gaststätte zu Gaststätte verschleppt. Das können Freunde des Brautpaars sein, die Familie des Bräutigams, Nachbarn, "Junggesellen" oder einfach eine Gruppe von Personen, die bei der Hochzeitsplanung dazu ausgesucht wurden. Um die Braut wieder zurück zu “erwerben“, muss der Bräutigam eine Zeche, in Form von Geld oder evtl. Wunscherfüllung zahlen.



Hochzeitswalzer: Dieser Tanz symbolisiert die Ganzheit des Brautpaars. Einer Legende nach, leben die Menschen seit der Vertreibung aus dem Paradies getrennt und suchen ständig nach der anderen Hälfte, die sie ergänzt. Im Walzertanz erleben zwei Menschen diese Ergänzung - sie bilden einen geschlossenen Ring. Der Ring selbst veranschaulicht die Treue, die Bindung und die Vereinigung des Paares.



Reis werfen: Nach alter Überlieferung werfen die Hochzeitsgäste als Zeichen der Fruchtbarkeit und des neuen Lebens Reis auf das Brautpaar. Heutzutage wird dieser Brauch aber von vielen Standesämtern nicht mehr erlaubt.



Über die Schwelle tragen: Böse Geister lauern nicht nur vor der Tür, sondern auch unter der Schwelle, wenn die junge Braut das neue Heim betreten will. Um sie vor diesen finsteren Mächten zu schützen, trägt der Bräutigam die Braut ins Haus. Somit kann sie nicht mit dem dunklen Bösen in Berührung kommen.

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